الأدب الألماني

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1   EINLEITUNG

Deutsche Literatur, Bezeichnung für die schriftlich überlieferte Dichtung deutscher Sprache. Neben den klassischen Gattungen (Lyrik, Epik, Dramatik) werden ihr bis zum Ausgang des Mittelalters auch theologische, philosophische und wissenschaftliche Schriften zugerechnet sowie Werke deutscher Autoren in lateinischer Sprache. Siehe Österreichische Literatur; Schweizerische Literatur

2   ERSTE (VORALTHOCHDEUTSCHE) ZEUGNISSE

Die frühesten Zeugnisse deutscher Sprache finden sich, abgesehen von Runeninschriften, die bis in das 5. Jahrhundert zurückreichen, in Rechtswörtern lateinischer und althochdeutscher Urkunden. Die ersten germanischen Dichtungen wurden nur mündlich überliefert, sind jedoch in ihrer Existenz durch Texte antiker Schriftsteller, wie Tacitus’ Germania (um 98 n. Chr.), bezeugt. Spuren germanischer Heldensagen gingen vermutlich in Fredegars Fränkische Weltchronik (7. Jahrhundert) und andere Chroniken der Epoche ein. Als einzig bedeutende literarische Leistung vor der Karolingerzeit gilt die Bibelübersetzung des westgotischen Bischofs Ulfilas oder Wulfila (4. Jahrhundert) aus dem Griechischen ins Gotische. Ansonsten war das Lateinische im heutigen deutschen Sprachgebiet die vorherrschende Literatursprache.

3   MITTELALTER

Neben der sprachgeschichtlichen Einteilung in die althochdeutsche (750-1050), frühmittelhochdeutsche (1050-1150), mittelhochdeutsche (1150-1300) und spätmittelhochdeutsche (1300-1500) Phase hat sich diejenige nach kulturellen Epochen durchgesetzt. Sie ist zum Teil identisch mit der Regentschaft bestimmter Herrscherhäuser.

1   Karolingische Zeit (750-900)

Ein bedeutendes kulturelles Zentrum in der zweiten Hälfte des 8. Jahrhunderts war der Hof Karls des Großen in Aachen. Die dort wirkenden Gelehrten verfassten im Rahmen der karolingischen Renaissance ihre Werke in lateinischer Sprache, die auch im klerikalen Schrifttum dominierte. Am Beginn der deutschen Literaturgeschichte stehen lateinisch-deutsche Wörterbücher und liturgische Texte. Erstes althochdeutsches Zeugnis ist das Wessobrunner Gebet (770-790), gefolgt vom Älteren Hildebrandslied (810-820). Im Gegensatz zu diesem Heldenlied aus dem ostgotischen Sagenkreis um Dietrich von Bern blieben christliche Stoffe die Regel, wie in den Evangelienharmonien Otfrids von Weißenburg (863-871). Bei Otfrid vollzog sich der Übergang zur Endreimdichtung, die fortan häufig mit der Stabreimdichtung eine Mischform bildete, wie in den zahlreichen Segens- und Zaubersprüchen der Spruchdichtung, darunter die Merseburger Zaubersprüche.

2   Die Zeit der Ottonen (900-1050) und Salier (1050-1150)

Unter den Ottonen wurde das Latein, oft in Anlehnung an antike Muster (ottonische Renaissance), wieder alleinige Literatursprache. Ein Beispiel für diese Rückbesinnung auf die Antike waren die an Terenz orientierten Märtyrerdramen der Hrotsvith von Gandersheim. Erst allmählich drangen wieder volkssprachliche Elemente in die geistliche und weltliche Literatur vor, wie in dem Heilshymnus des Ezzoliedes (1063) und die Verslegende des Annoliedes (um 1080). In lateinischen Hexametern war hingegen das Waltharilied (um 1050) abgefasst.

Im Zuge der aufblühenden Stadtkultur und des erstarkenden Rittertums entstanden erste vorhöfische Epen, darunter die noch im 13. Jahrhundert kopierte Kaiserchronik (um 1150), welche die ältesten deutschsprachigen Novellen enthielt, das Alexanderlied des Pfaffen Lamprecht (um 1150) und das Rolandslied des Pfaffen Konrad (um 1170), das erstmals auf französische Vorbilder – namentlich das Chanson de Roland, ein Chanson de Geste – zurückgriff, diese aber im Zuge der aktuell werdenden Kreuzzugsthematik religiös-missionarisch zur Kreuzzugsdichtung überhöhte. Als erster mittelalterlicher Roman gilt der nur in Fragmenten überlieferte Ruodlieb (um 1050).

3   Staufische Zeit (1150-1250)

Das seit dem Tod Karls des Großen durch den Niedergang der Laienschulen verursachte Bildungsmonopol der Kirche erfuhr durch das Entstehen einer neuen weltlichen Feudalmacht nach den Kreuzzügen (seit 1096) eine entscheidende Relativierung. Das jahrhundertelang auf die Klöster beschränkte geistliche Leben erhielt darüber hinaus neue Impulse durch die an Universitäten und Bischofssitzen aufblühende weltliche Literatur. Das neue Selbstverständnis und -bewusstsein des Adels speiste sich auch aus der durch die Kreuzzüge ermöglichten geistig-kulturellen Begegnung mit der Kultur des Orients.

Einen repräsentativen literarischen Ausdruck fand die weltliche, diesseitsbejahende Kultur der Höfe erstmals in der Form des Minnesangs. Zur frühen („donauländischen”) Phase unmittelbar nach dem zweiten Kreuzzug (dem ersten mit deutscher Beteiligung, 1147-1149) zählen der Sänger Kürenberg (um 1160), Meinloh von Sevelingen und die Burggrafen von Regensburg und Rietenburg. Mit der rheinischen Ausprägung trat der Minnesang in seine Blütezeit und bildete neben dem zentralen Typus des Werbesangs Varianten wie das Tagelied und das Kreuzlied aus. Unter dem Einfluss der französischen Troubadoure schufen Heinrich von Veldeke, Friedrich von Hausen und andere auch neue Reim- und Strophenformen (Stollenstrophen), zur eigentlichen Meisterschaft gelangten aber erst Heinrich von Morungen, Hartmann von Aue und Walther von der Vogelweide, der auch die Spruchdichtung und die politische Lyrik fortentwickelte. Bei ihm vollzieht sich der Übergang zur „niederen” Minne, die im Gegensatz zum strengen Subordinationsprinzip der„hohen” auch erotische Erfüllung und eheliche Liebe besang. Schriftlich überliefert wurde die Minnedichtung erst in der um 1275 entstandenen Kleinen Heidelberger Liederhandschrift, der illustrierten Großen Heidelberger oder Manessischen Liederhandschrift (nach 1300) und späteren Sammlungen.

Neben dem Minnesang entwickelte sich das höfische Epos, das häufig auf Stoffe aus der Antike zurückgriff, wie Heinrich von Veldeke in seiner der Äneis des Vergil nachempfundenen Eneit (1170/90). Hartmann von Aue verfasste nach dem Vorbild des Franzosen Chrétien de Troyes mit Erec und Iwein (um 1200) die ersten deutschen Dichtungen aus dem Kreis der Artussage. Das bedeutendste Epos dieser Zeit, Wolfram von Eschenbachs Parzifal (1200-1210), und Gottfried von Straßburgs Tristan und Isolt (um 1210) schöpften gleichfalls aus dieser Quelle. Einen weiteren Höhepunkt erlebte die Dichtung im Kudrun-Epos (um 1215) und dem anonym überlieferten Nibelungenlied (um 1200), in dem erstmals seit dem Hildebrandslied wieder ein Stoff der Völkerwanderung literarische Form fand.

Daneben entstand eine Vielzahl didaktisch-satirischer Spruch-, Fabel- und Schwankdichtungen, wie Hugo von Trimbergs Moralkompendium Der Renner (um 1300).

4   Späthöfische und spätmittelhochdeutsche Zeit (1250-1500)

Der literarisch in Parodien der Ritterepen (Ulrich von Lichtensteins Frauendienst) dokumentierte Niedergang der höfisch-ritterlichen Idealkultur sowie der weitere Aufstieg der Städte führten zu einer Verbürgerlichung der literarischen Erscheinungsformen und Inhalte. Die Minnelyrik variierte zunächst die von Neidhart entwickelten Typen, mündete aber bereits im Werk Heinrichs von Meißen (genannt Frauenlob) in eine Vorform des Meistersangs (siehe Hans Sachs). Vorherrschend wurde eine didaktisch-gelehrte Dichtung (Hugo von Montfort), von der die Lieder Oswalds von Wolkenstein sich durch Witz und sinnliche Lebensbejahung absetzten.

In der Prosa wurden der höfische Roman (Rudolf von Ems, Konrad von Würzburg) und die Heldenepik weitergeführt, wichen aber ebenso der Tendenz zum Praktisch-Belehrenden, die auch in einem stetig wachsenden wissenschaftlichen Schrifttum zum Ausdruck kam. Der Dominikanermönch Meister Eckhart gilt als Begründer der wissenschaftlichen deutschen Prosa. Als Höhepunkt der spätmittelalterlichen Erzählprosa gilt der um 1400 verfasste Ackermann aus Böhmen des Johannes von Tepl.

Noch im 13. Jahrhundert ist das erste deutschsprachige Schauspiel bezeugt, das Osterspiel von Muri (siehe Osterspiel), dem eine Vielzahl geistlicher Dramen, wie das Benediktbeurer Weihnachts- und Osterspiel, und später die Fastnachtsspiele folgten. Ende des 14. Jahrhunderts entstand die erste vollständige Bibelübersetzung, und unter dem Eindruck der Pest bildeten sich neue Formen geistlicher Gebrauchsliteratur heraus, wie Geißlerlied und Totentanz. Ein wachsendes Geschichts- und Rechtsbewusstsein manifestierte sich in Chroniken und den Schriften der weltlichen Schulwissenschaft, so im Sachsenspiegel (um 1224-1231), dem Schwabenspiegel (um 1275-1276) und der Sächsischen Weltchronik (um 1230).

Wichtige Impulse erhielt die Literatur der Epoche durch den Rückgang des Analphabetismus und die Erfindung des Buchdrucks mit beweglichen Lettern, der eine massenhafte Verbreitung unterschiedlichsten Schrifttums ermöglichte, wie die der populären Schwankdichtungen (siehe Till Eulenspiegel).

4   HUMANISMUS, RENAISSANCE UND REFORMATION

Der bereits im Mittelalter manifeste Drang nach geistiger Erneuerung brach sich Anfang des 16. Jahrhunderts Bahn in den am römisch-antiken Vorbild ausgerichteten Bewegungen des Humanismus und der Renaissance und auf religiösem Gebiet in der Reformation. Den Umwälzungen auf weltanschaulichem und politischem Gebiet entsprach eine sich vielfältig fortentwickelnde Literatur, die in Luthers Bibelübersetzung (1522-1534) einen entscheidenden Impuls für die Herausbildung einer einheitlichen neudeutschen Schriftsprache erfuhr.

Die Hauptrepräsentanten des Humanismus waren Erasmus von Rotterdam, Ulrich von Hutten und Johannes Reuchlin, der Herausgeber der kirchenkritischen Dunkelmännerbriefe (1517). Im Zuge der konfessionellen Auseinandersetzungen wurde die Prosa zu einem volkstümlich-derben Mittel des Kampfes und der Belehrung, vor allem in den nun zahlreich entstehenden Volksbüchern, wie Fortunatus (1509), Till Eulenspiegel (1515), Historia von D. Johann Fausten (1587; Johann Faust) oder den Schiltbürgern (1598; Lalebuch). Die dort charakteristische Mischung von realistisch-drastischer Darstellungsweise und praktischem Lebenswitz zeichnete die Satiren Johannes Fischarts und die Romane Jörg Wickrams aus (Der jungen Knaben Spiegel, 1554), dessen Rollwagenbüchlein (1555) zugleich den Übergang der Schwankliteratur vom Vers zur Prosa markierte. Noch deutlich den formalen Konventionen des Mittelalters verhaftet war die bedeutendste satirische Dichtung der Epoche, das in der Tradition des Weltspiegels verfasste Narren Schyff (1494) des Sebastian Brant.

Im Drama herrschte das von Hans Sachs, Niklaus Manuel und anderen repräsentierte Fastnachtsspiel vor, das theologisch-moralische Anliegen mit Schwankelementen verknüpfte. In seiner humanistisch-reformatorischen Ausprägung zeugte es ferner von der dominierenden Rolle des protestantischen Bürgertums seit Mitte des 16. Jahrhunderts. Hinzu traten Anregungen der Commedia dell’arte und des englischen Dramas, und neben ersten historischen Dramen entstanden in den Jesuitenkollegs Vorstufen des barocken Schauspiels (Jakob Bidermann, Cenodoxus, Uraufführung 1602). Wesentlich für die Entwicklung der Gattung wurde die Tatsache, dass sie nun auch an den Höfen des Adels heimisch wurde (so bei Heinrich Julius, Herzog von Braunschweig-Wolfenbüttel). In der Lyrik dominierten neben geistlichem Liedgut Meistersang und Gesellschaftslied (siehe Meistersinger).

5   BAROCK

Das Barock war geprägt vom Zeithintergrund der konfessionellen Spaltung Europas und der daraus resultierenden kriegerischen Auseinandersetzungen (siehe Dreißigjähriger Krieg, 1618-1648) und territorialen Verschiebungen. Das geistig-literarische Leben, das sich auf die Königs- und Fürstenhöfe konzentrierte, nahm starken Einfluss auf das kulturelle Selbstverständnis des Bürgertums. Im gelehrten Schrifttum, in dem bislang das Lateinische vorherrschte, zeichnete sich eine Hinwendung zum Deutschen ab, dessen Niveau als Literatursprache allmählich dem Vorbild des Lateinischen angeglichen werden sollte. Hieraus leitet sich der normative Charakter der Barockliteratur ab, wie er in den Regelwerken von Martin Opitz (Das Buch von der Deutschen Poeterey, 1624) und anderer Autoren zum Ausdruck kam (Philipp von Zesen, Andreas Tscherning, Justus Georg Schottel, Georg Philipp Harsdörffer). Gleichfalls im Zeichen der Spracherneuerung standen die Aktivitäten der verschiedenen Sprachgesellschaften (Fruchtbringende Gesellschaft, gegründet 1617) und Dichterkreise, wie des Pegnitzer Blumenordens.

Die weltliche Lyrik setzte die Tradition des Meistersangs und anderer volkssprachlicher Dichtungsformen fort, bediente sich zunehmend aber auch antiker Formen, wie der Elegie und der Ode. Ferner gingen Anregungen des italienischen, auf Francesco Petrarca sich berufenden Petrarkismus (Paul Fleming) und der Hirtendichtung (Opitz) in die Lyrik ein. Die geistliche Dichtung schöpfte ebenfalls aus dem Motivinventar des Petrarkismus (Friedrich Spee von Langenfeld) und wandte sich in ihrer mystischen Spielart (siehe Jakob Böhme, Angelus Silesius) gegen den offiziellen Protestantismus. Christian Hofmann von Hofmannswaldau trat mit lebensbejahenden, galanten Gedichten in der Tradition des Marinismus hervor, während in den Sonetten von Andreas Gryphius die Vanitas-Thematik vorherrschte.

Sie wurde auch für den Großteil der dramatischen Dichtung bestimmend. Angeregt durch die Seneca- und Sophokles-Übertragungen von Opitz (Die Trojanerinnen, 1625; Antigone, 1636) rückte die Tragödie an die erste Stelle (mit dem Alexandriner als gebräuchlichstem Versmaß). Wichtigster Dramatiker des Barock war Gryphius mit seinen Trauerspielen (Cardenio und Celinde, Catharina von Georgien, beide 1657) und den „Scherz- und Schimpfspielen”, welche die Tradition des deutschen Lustspiels begründeten (Absurda Comica. Oder Herr Peter Squentz, 1658; Horribilicribrifax, 1663). Die Perspektive des welterfahrenen Zynikers und Hofmannes charakterisierte die Dramen Daniel Casper von Lohensteins (Cleopatra, 1661; Agrippina, 1665).

Richtungweisend für den Roman des Barock wurden Übersetzungen fremdsprachiger Vorbilder, wie der Aithiopiká des Heliodor, des Amadis-Romans oder der spanischen Schelmenromane. In dieser Tradition stand auch das bedeutendste Romanwerk der Zeit, Johann Jakob Christoffel von Grimmelshausens Der Abentheuerliche Simplicissimus Teutsch (1669), der mehrere Fortsetzungen erlebte. Dort, wie auch in der Lebensbeschreibung der Ertzbetrügerin und Landstörtzerin Courasche (1670), entfaltete Grimmelshausen das Panorama der von Kriegswirren gezeichneten Epoche aus der Sicht lebensgewandter Protagonisten der Unterschicht.

6   AUFKLÄRUNG, EMPFINDSAMKEIT UND STURM UND DRANG

Das Zeitalter der Aufklärung war gesamteuropäisch bestimmt von der Säkularisierung des christlichen Weltbildes und der bürgerlichen Parteinahme gegen den feudalen Ständestaat absolutistischer Prägung. Die Philosophie stand unter dem Primat der kritischen Vernunft im Sinne Immanuel Kants, der in der Dichtung dem Bemühen um Einfachheit und Klarheit entsprach. Das in idealisierendem Rückgriff auf die Antike formulierte harmonische Menschenbild Johann Joachim Winckelmanns korrespondierte mit dem von Gotthold Ephraim Lessings religiös-theoretischer Schrift über Die Erziehung des Menschengeschlechts (1780) artikulierten Bildungsgedanken. Die Höfe verloren weitgehend ihre Funktion als Zentren des kulturellen Lebens an die Universitäten und weltoffenen Handelsstädte. Neben Berlin, wo Friedrich Nicolai mit Lessing, Christian Felix Weiße und Moses Mendelssohn die Briefe, die neueste Literatur betreffend (1759-1765) herausgab, wurde Leipzig zum Hauptort der Aufklärung in Deutschland.

Dort wirkte mit Johann Christoph Gottsched die zentrale Gestalt der literarischen Aufklärung. Sein Versuch einer Critischen Dichtkunst vor die Deutschen (1730) wurde trotz der Kritik durch Johann Jacob Bodmer (Kritische Abhandlung von dem Wunderbaren in der Poesie, 1740) und Johann Jakob Breitinger (Kritische Dichtkunst, 1740) maßgeblich vor allem für die Entwicklung des deutschen Dramas, das sich nunmehr am französischen Vorbild orientierte. Gottsched selbst schuf ein Musterdrama in Alexandriner (Der Tod des Cato, 1732). Eine Abkehr von Gottscheds Prinzipien vollzog sich zunächst in der Lyrik, später auch durch Lessing in der Dramatik, der mit Miss Sara Sampson (1755) und Emilia Galotti (1772) das bürgerliche Trauerspiel in Deutschland begründete. Sein dramatisches Gedicht Nathan der Weise (1779) setzte dem Führungsanspruch der christlichen Kirche den Toleranzgedanken einer undogmatischen Humanität entgegen, der bereits auf die Ideale der Klassik verwies.

Das Vorbild der englischen Literatur, das auch in Lessings Trauerspielen wirksam war, wurde nach 1740 auch in der Lyrik und Epik wirksam. Die Gedichtsammlung Barthold Hinrich Brockes Irdisches Vergnügen in Gott (1721-1748) war der Versuch, christliche Sittenlehre mit Naturlehre und -erkenntnis zu verbinden. Mit Johann Wilhelm Ludwig Gleim, Ewald von Kleist und Salomon Geßner (Idyllen, 1756) setzte eine Periode idyllisch-bukolischer Naturlyrik ein, die in der Anakreontik (siehe Anakreon) auch auf die antike Ode zurückgriff. Neue Maßstäbe für die deutsche Dichtung setzte Friedrich Gottlieb Klopstock mit seiner Odendichtung und dem (von John Miltons Paradise Lost angeregten) Hexameter-Epos Der Messias (1748-1773).

Auf dem Gebiet des Romans wurde der Gottsched-Schüler Christian Fürchtegott Gellert (Fabeln und Erzählungen, 1746-1748) richtungweisend mit Das Leben der schwedischen Gräfin von G*** (1747-1748), in dem erstmals – nach dem Muster des englischen sentimentalen Romans – die handelnden Figuren in psychologisch differenzierter Darstellung erschienen. Sophie von La Roche entwickelte diesen Typus in der Geschichte des Fräuleins von Sternheim (1771) weiter und ließ Züge des Pietismus einfließen, der für die Kultur der Empfindsamkeit in Deutschland höchst bedeutsam wurde. Christian Friedrich von Blankenburg definierte in der ersten systematischen Poetik des deutschen Romans (Versuch über den Roman, 1774) die Gattung als zeitgemäße Darstellungsform seelischer Befindlichkeiten. Wichtigster Vertreter des vorklassischen Romans wurde Christoph Martin Wieland (Der Sieg der Natur über die Schwärmerei oder die Abentheuer des Don Sylvio von Rosalva, 1764; Die Geschichte des Agathon, 1766-1767, endgültige Fassung 1794), der außerdem mit seiner Zeitschrift Der Teutsche Merkur und Übertragungen der Dramen Shakespeares einflussreich wurde.

Die Bewegung des Sturm und Drang übernahm die subjektivistische Ausrichtung der Empfindsamkeit, verlieh ihr jedoch mit dem Ideal des schöpferisch-titanischen Genies andere Akzente. Die wichtigste Gruppenbildung war der Göttinger Hain, dem u. a. Heinrich Christian Boie, Johann Heinrich Voß und die Grafen Stolberg angehörten und Matthias Claudius sowie Gottfried August Bürger nahe standen. In den Balladen, Hymnen und Romanzen der Hainbündler trat erstmals der volksliedhafte Ton zutage, der später für die Romantik charakteristisch wurde. Zum wichtigsten Anreger der Rückbesinnung auf die deutsche Volksdichtung wurde Johann Gottfried von Herder mit zahlreichen theoretischen Schriften. Der Roman war oftmals von autobiographischer Färbung, wie Karl Philipp Moritz’ Anton Reiser (1785-1790) oder Wilhelm Heinses Ardinghello und die glückseligen Inseln (1787). Das meistgelesene deutsche Prosawerk der Epoche war Goethes Sensationserfolg Die Leiden des jungen Werthers (1774, Neufassung 1787), eines der herausragenden Beispiele des deutschen Briefromans.

Die Feudalismuskritik des Sturm und Drang trat am deutlichsten im Drama zutage, so in Friedrich Schillers Die Räuber (1781), Die Verschwörung des Fiesco zu Genua (1783) und Don Carlos (1787, im später für die Klassik typischen Blankvers). Den bei Schiller präsenten Konflikt von Individuum und gesellschaftlicher Konvention gestaltete Goethe in Götz von Berlichingen mit der eisernen Hand (1773), Clavigo (1774) und Egmont (1778) und ließ sich wie Friedrich Maximilian Klinger, dessen Drama Sturm und Drang (1775) der Bewegung den Namen gab, von der Figur des Faust anregen (1772-1775, erstmals 1790 als Faust. Ein Fragment). Ein bedeutender Dramatiker der Epoche war Jakob Michael Reinhold Lenz (Der Hofmeister, 1774; Die Soldaten, 1776), der das tragikomische Gesellschaftsstück begründete und mit Anmerkungen über das Theater (1774) hervortrat. Daneben entstand eine Fülle dramentheoretischer Schriften, wie Schillers Die Schaubühne als moralische Anstalt betrachtet (1784).

7   KLASSIK

Als Weimarer Klassik bezeichnet man das zwischen 1786 und 1805 entstandene Werk Goethes und Schillers. Beide legten in unterschiedlicher Weise, häufig aber auch in gemeinsamer Arbeit, ihren Dichtungen und theoretischen Schriften von der Antike und Renaissance inspirierte ethische und ästhetische Leitlinien zugrunde, die im Ideal einer tätigen Humanität gipfelten. Während Schiller das Hauptgewicht auf sittliche Fragen legte, war für Goethe die Idee des Schönen bestimmend. Die Spannung zwischen dem Spekulativen auf der einen und dem Sinnlich-Individuellen auf der anderen Seite wurde im persönlichen Gedankenaustausch, im Briefwechsel und in gemeinsamen dichterischen und editorischen Unternehmen, wie den Zeitschriften Die Horen und Propyläen, den Xenien und der Balladendichtung fruchtbar gemacht. Die wichtigste poetologische Arbeit war der Aufsatz Über epische und dramatische Dichtung. Von Goethe und Schiller (1797), der neue Maßstäbe für die Definition der Gattungen setzte. Die intensivste dichterische Phase war das Jahr 1797 mit zahlreichen gegenseitig angeregten Balladendichtungen, die im Musenalmanach auf das Jahr 1798 erschienen (siehe Musenalmanach). Zu den bedeutendsten Werken der Weimarer Klassik zählen die Dramen Schillers, wie die Wallenstein-Trilogie (1800), Maria Stuart (1801) und Wilhelm Tell (1804), sowie Goethes Lehrgedicht Die Metamorphose der Pflanzen (1795) und sein noch in der Romantik hochgeschätzter Bildungsroman Wilhelm Meisters Lehrjahre (1795-1796).

Nach Schillers Tod (1805) setzte Goethes „nachklassische” Phase ein, in der die Formenstrenge der Klassik – nicht zuletzt durch die Berührung mit der Frühromantik – einer Tendenz zum Fragmentarisch-Aphoristischen wich. Sein Spätwerk stand im Zeichen langfristiger, zum Teil autobiographischer Unternehmen (Dichtung und Wahrheit, 1811-1814; Faust, 1808 und 1833; Die Wahlverwandtschaften, 1809; Wilhelm Meisters Wanderjahre, 1821 und 1829), erlebte aber auch in der Lyrik nochmals einen Höhepunkt (West-östlicher Divan, 1819; Trilogie der Leidenschaft, 1824). Der starke Einfluss, den Goethe im Zenit seines Lebens auf die deutsche Literatur ausübte, schwand in den letzten Lebensjahrzehnten beträchtlich, als die Romantik und nach ihr das Junge Deutschland sich als prägende Kräfte durchsetzten.

Mit dem moralisch-ästhetischen Programm der Weimarer Klassik verwandt waren die Dichtungen Friedrich Hölderlins, wie der Briefroman Hyperion (1797), der Hexameter-Hymnus Der Archipelagus (1800) und das Dramenfragment Der Tod des Empedokles (1798-1800), in der starken Subjektivität der Lyrik kündigte sich aber bereits das Poesieverständnis der Romantik an. Zu deren wesentlichen Anregern auf dem Gebiet des Romans zählte Jean Paul, der zunächst dem Vorbild des englischen sentimentalen Romans folgte, später jedoch mit dem Titan (1800-1803) eine der meistgelesenen Prosadichtungen der Zeit vorlegte.

8   ROMANTIK

Die Romantik setzte dem Rationalismus der Aufklärung und dem ethischen und ästhetischen Rigorismus der Klassik neue metaphysische und poetologische Maximen entgegen und knüpfte darin an Tendenzen der Empfindsamkeit und des Sturm und Drang an, wie die von Herder eingeleitete Besinnung auf die Volksdichtung. Das weltanschauliche Fundament (siehe Johann Gottlieb Fichte, Wissenschaftslehre, 1794; Friedrich Wilhelm von Schelling, Ideen zu einer Philosophie der Natur, 1797) bewegte sich im Grenzbereich von Philosophie und Religion und stellte, wie auch die poetologischen Schriften, das schöpferische Ich in den Mittelpunkt, wie Friedrich Schlegel in den Athenäum-Fragmenten (1798) und seinem Gespräch über die Poesie (1800). Der romantische Subjektivismus mündete, nach anfänglichen Sympathien für die Französische Revolution, oftmals in christlich akzentuierte Innerlichkeit (und Konversionen zum Katholizismus) sowie politischen Konservatismus.

Die so genannte Jenaer Frühromantik (ab 1798), mit den Hauptrepräsentanten Friedrich und August Wilhelm Schlegel, Novalis, Schelling und Wilhelm von Humboldt, formulierte die wesentlichen kunsttheoretischen Richtlinien und brachte gleichzeitig mit Wilhelm Heinrich Wackenroders Herzensergießungen eines kunstliebenden Klosterbruders (1797) und Ludwig Tiecks Franz Sternbalds Wanderungen (1798) die ersten bedeutenden Dichtungen hervor (Novalis: Hymnen an die Nacht, 1800). Die so genannte Heidelberger Hochromantik mit Joseph Freiherr von Eichendorff und Joseph von Görres machte sich mit der Herausgabe der Teutschen Volksbücher (1807) und Achim von Arnims und Clemens Brentanos Sammlung Des Knaben Wunderhorn (1806-1808) um die Volkspoesie verdient, deren liedhafte Schlichtheit einen großen Teil der Lyrik prägte, vor allem bei Eichendorff (Gedichte, 1837), Eduard Mörike (Gedichte, 1838) und Wilhelm Müller (Die schöne Müllerin, 1821). Das bedeutendste Zentrum der so genannten Spätromantik war neben Dresden, Schwaben, München und Wien die preußische Hauptstadt Berlin, wo sich im Salon der Rahel Varnhagen von Ense eine urbane Form romantischer Geselligkeit entwickelte (siehe literarische Salons).

Neben Heinrich von Kleist und Friedrich de la Motte-Fouqué wurden Ludwig Tieck und E. T. A. Hoffmann die Leitfiguren der Berliner Romantik. Hier trat die Prosadichtung in den Vordergrund, meist mit märchenhaft-phantastischer Färbung, wie in Tiecks Phantasus (1812-1816) und Hoffmanns Fantasiestücken in Callots Manier (1813-1815), den Nachtstücken (1816) und den Serapionsbrüdern (1819-1821). Hoffmann schuf mit Der Goldene Topf den Prototyp des romantischen Kunstmärchens, das Motive der Volksdichtung mit poetologischen Fragen und gesellschaftssatirischen Elementen verband. (Anregung erfuhr die Gattung vor allem durch die Sammlung von Kinder- und Hausmärchen der Gebrüder Grimm; siehe Grimms Märchen.) Ähnlich verfuhr der mit ihm befreundete Adelbert von Chamisso in Peter Schlemihls wundersame Geschichte (1814). Auf dem Gebiet der phantastischen Literatur und der unheimlichen Geschichte wurde die Romantik stilprägend für das gesamte 19. Jahrhundert. In Berlin entstanden ferner die Werke Heinrich von Kleists (Die Familie Schroffenstein, 1803; Das Käthchen von Heilbronn, 1808), der neben Tieck und dem Dramatiker Zacharias Werner (Der vierundzwanzigste Februar, 1810) die wenigen romantischen Schauspiele von Rang schuf.

Die romantische Dichtung vermittelte auch der zeitgenössischen Kunst und Musik vielfältige Anregungen (Naturerlebnis, Märchenmotive), und die Werke von Caspar David Friedrich, Philipp Otto Runge, Franz Schubert oder Felix Mendelssohn wirkten wiederum auf die Literatur zurück.

9   BIEDERMEIER, JUNGES DEUTSCHLAND, VORMÄRZ UND REALISMUS

Die als Biedermeier bezeichnete Restaurationsepoche zwischen dem Wiener Kongress (1815) und der Märzrevolution (1848) war geprägt von einer Tendenz zur Verinnerlichung und einem Rückzug ins Private. Daneben existierten aber auch literarische Bewegungen wie das Junge Deutschland, das sich vehement für die Veränderung der politischen Verhältnisse einsetzte (siehe Vormärz).

Zu den wichtigsten biedermeierlichen Autoren, die meist zur Vermischung der Gattungen und zur kleinen Erzählform neigten, gehörten Adalbert Stifter (Studien, 1844-1850), Eduard Mörike (Mozart auf der Reise nach Prag, 1856), Annette von Droste-Hülshoff (Das geistliche Jahr, 1820-1851; Die Judenbuche, 1842), Jeremias Gotthelf (Die schwarze Spinne, 1843; Uli der Knecht, 1846) und Nikolaus Lenau (Gedichte, 1832). Im Spätwerk fand Stifter zum Roman (Der Nachsommer, 1857; Witiko, 1865-1867). Die für das Biedermeier typischen harmonisierenden Elemente traten in der zweiten Jahrhunderthälfte zurück, so in den Novellen Gottfried Kellers (Die Leute von Seldwyla, 1856-1874) und seinem Entwicklungsroman Der grüne Heinrich (1854-1855, neue Fassung 1879-1880). Die Erzählprosa des Realismus vollendete sich im Romanwerk Wilhelm Raabes (Der Hungerpastor, 1864; Abu Telfan, 1868) und Theodor Fontanes (Effi Briest, 1895; Der Stechlin, 1899) und den Novellen Theodor Storms (Immensee, 1851; Der Schimmelreiter, 1888).

Auf dem Gebiet des Dramas repräsentierten u. a. Ferdinand Raimund, Franz Grillparzer und Johann Nestroy das literarische Biedermeier, ohne dass ihr Werk ihm jeweils vollständig zugerechnet werden könnte. Grillparzer trat mit Komödien und historisch-psychologischen Dramen hervor (Sappho, 1819; König Ottokars Glück und Ende, 1825; Ein Bruderzwist im Hause Habsburg, entstanden 1848). Raimund mit märchenhaft gefärbten Schauspielen (Der Alpenkönig und der Menschenfeind, 1835) und Nestroy mit virtuos dialogwitzigen Possen (Der böse Geist Lumpazivagabundus, 1835) belebten das Wiener Volkstheater (siehe Wiener Volksstück). Friedrich Hebbel brachte in der Nachfolge Lessings das bürgerliche Trauerspiel wieder auf die Bühne (Maria Magdalene, 1844; Agnes Bernauer, 1855).

Noch unter dem Einfluss der Romantik standen die Kunstmärchenzyklen von Wilhelm Hauff (Das Wirtshaus im Spessart und Die Karawane, beides im Maehrchen-Almanach auf das Jahr 1826/1827/1828), die auch in der Lyrik bei Friedrich Rückert und August Graf von Platen weiterwirkte. Im Spannungsfeld von Romantik und Realismus standen die Dichtungen Heinrich Heines (Das Buch der Lieder, 1827), der in programmatischen Schriften die Literatur (Die Romantische Schule, 1836) und das politische Geschehen seiner Zeit (Deutschland, ein Wintermärchen, 1844) kritisch-satirisch kommentierte.

Die Publikation von Heines Werken vollzog sich in beständigem Kampf mit der Metternich’schen Zensur (Karlsbader Beschlüsse). 1835 wurden seine sämtlichen Schriften auf den Index gesetzt, gemeinsam mit denen des Jungen Deutschland. Diese Gruppierung (Heinrich Laube, Karl Gutzkow, Ludolf Wienbarg, Theodor Mundt, Ludwig Börne) verstand die Literatur vorrangig als Mittel der politischen Auseinandersetzung, ähnlich wie die Lyriker Franz Dingelstedt, Georg Herwegh und Ferdinand Freiligrath. 1841 verfasste August Heinrich Hoffmann von Fallersleben das „Deutschlandlied” mit der seinerzeit revolutionären Forderung nach staatlicher Einheit. Als diese Hoffnungen in der Nationalversammlung 1848 enttäuscht wurden, verstummte die politische Lyrik vorläufig. Geistig nahe standen dem Jungen Deutschland die Dramatiker Christian Dietrich Grabbe (Kaiser Friedrich Barbarossa, 1829) und Georg Büchner (Dantons Tod, 1835).

10   NATURALISMUS UND MODERNE

Der deutsche Naturalismus wandte sich unter dem Einfluss Emile Zolas einer wissenschaftlich-analytischen Prosa zu, die sich vor allem die präzise Schilderung psychologischer Prozesse (besonders der abnormen Phänomene) und sozialer Verhältnisse zur Aufgabe machte. Zentren waren München (Die Gesellschaft, 1895-1901, herausgegeben von Michael Georg Conrad) und Berlin. Karl Bleibtreu und andere rückten die Lebensverhältnisse in der modernen Großstadt ins Blickfeld, Ludwig Anzengruber das bäuerliche Milieu. Das theoretische Fundament der Bewegung eines konsequenten Naturalismus formulierte Arno Holz gemeinsam mit Johannes Schlaf in Die Kunst, ihr Wesen und ihre Gesetze (1891-1892). Auch seine Erzählung Papa Hamlet (1889) und das Milieudrama Die Familie Selicke (1890) entstanden gemeinschaftlich mit Schlaf und gelten als exemplarische Texte der Berliner Moderne.

Das Drama der neunziger Jahre des 19. Jahrhunderts stand insgesamt unter dem Einfluss der Werke Büchners, Hebbels und Henrik Ibsens. Neben Ernst von Wildenbruch, Hermann Bahr, Holz und Bleibtreu wurde Gerhart Hauptmann der Hauptrepräsentant des naturalistischen Schauspiels (Vor Sonnenaufgang, 1889; Die Weber, 1892; Rose Bernd, 1903; Die Ratten, 1911). Eine Schlüsselrolle in der naturalistischen Bewegung spielte die von Otto Brahm 1889 in Berlin gegründete Vereinigung Freie Bühne sowie ihr seit 1890 erscheinendes Publikationsorgan Freie Bühne für modernes Leben (ab 1904 als Neue deutsche Rundschau). Eine Randerscheinung der naturalistischen Dramatik blieb Frank Wedekind, der sich zwar einige Stilelemente zu Eigen machte, die ansonsten typische, im so genannten Sekundenstil kulminierende pedantische Realitätsnähe aber ablehnte. Seine Dramen Frühlingserwachen (1891), Der Erdgeist (1895) und Die Büchse der Pandora (1904) griffen mit der Pubertätsproblematik und dem Mythos der Femme fatale charakteristische Themen der Fin-de-siècle-Dichtung auf und bereicherten die deutsche Bühnensprache um einen ekstatischen Ton.

In den ersten 20 Jahren des 20. Jahrhunderts wechselten teils kurzlebige Strömungen in Literatur und Kunst einander ab oder bestanden parallel, wie Impressionismus, Symbolismus, Jugendstil oder Neoromantik, die sich in der Formel Moderne zusammenfassen lassen. Die kunsttheoretische Erörterung gewann einen ähnlichen Stellenwert wie in der Romantik und orientierte sich am internationalen Phänomen des Symbolismus, der besonders in der französischen Lyrik vorherrschend war (siehe Baudelaire, Mallarmé, Rimbaud, Verlaine). Der Ästhetizismus der Dichtungen Stefan Georges, Hugo von Hofmannsthals und Rainer Maria Rilkes war auch kennzeichnend für bibliophile Zeitschriften wie Die Insel (1899 gegründet von Otto Julius Bierbaum, Alfred Walter Heymel und Rudolf Alexander Schröder) oder Kunstzeitschriften wie Georges Blätter für die Kunst, Pan (1895-1900, Bierbaum) und Ver Sacrum (Wien, 1898-1903). Rilkes Gedichte (Buch der Bilder, 1902 und 1906) markierten einen eigenständigen Höhepunkt der deutschen Lyrik (die im Übrigen stark dem französischen Vorbild verhaftet blieb), und sein um die Existenzproblematik eines jungen Dichters kreisender Roman Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge (1910) antizipierte den modernen Bewusstseinsroman.

Georges Bemühen um konservative Erneuerung fand eine Entsprechung bei Thomas Mann, der in seinen Novellen (Tristan, 1903; Der Tod in Venedig, 1912) bevorzugt die Problematik der Künstlerexistenz entfaltete und mit Buddenbrooks (1901) einen der bedeutendsten Romane der deutschen Literatur schuf. Das dort zentrale Thema des Verfalls prägte auch die frühen Dichtungen Hugo von Hofmannsthals (Der Tor und der Tod, 1900; Der Tod des Tizian, 1901), der mit Arthur Schnitzler und Richard Beer-Hofmann das Dreigestirn der Wiener Moderne bildete. Letzterer schuf mit Der Tod Georgs (1900) unter Verwendung des inneren Monologs das wichtigste Beispiel ornamentaler Prosa innerhalb der österreichischen Jugendstil-Literatur. (Ein weiteres wichtiges Werk des Fin de siècle legte Leopold von Andrian-Werburg bereits 1895 unter dem Titel Der Garten der Erkenntnis vor.) Schnitzler knüpfte mit dem ansonsten gänzlich eigenständigen Drama Der Reigen (1900) an die provokante Sexualität in den Dramen Wedekinds an, verlieh ihr jedoch ein illusionslos-nüchternes Gewand. Seine im selben Jahr erschienene Erzählung Lieutenant Gustl verwandte erstmals– auch unter dem Eindruck der durch Sigmund Freud begründeten Psychoanalyse – konsequent die Technik des inneren Monologs im deutschen Sprachbereich. Als Sprach- und Gesellschaftskritiker trat vor allem Karl Kraus hervor, dessen Ein-Mann-Zeitschrift Die Fackel zur gefürchteten publizistischen Waffe avancierte. In Wien entstand zudem ein reiches Feld so genannter Kaffeehausliteratur, deren prominenteste Vertreter Peter Altenberg und Anton Kuh waren (später stieß auch Alfred Polgar hinzu).

Mit Else Lasker-Schüler, Gottfried Benn, Theodor Däubler, Georg Trakl, Georg Heym, Jakob van Hoddis und anderen vollzog sich der Übergang von der ornamentalen Dichtung der Jahrhundertwende zur von Friedrich Nietzsche geprägten vitalistischen Ekstatik des Expressionismus. Dieser hatte sein Zentrum in Berlin und Wien. Die wichtigsten Publikationsorgane dieser Bewegung waren Herwarth Waldens Zeitschrift Der Sturm (1910-1932) und Franz Pfemferts Die Aktion (1911-1932). Kurt Pinthus fasste in seiner Anthologie Menschheitsdämmerung (1920) bedeutende Zeugnisse der expressionistischen Dichtung zusammen, deren leidenschaftlich-düsterer Gestus sich unter dem Eindruck des 1. Weltkrieges noch verschärfte (Ernst Stadler, August Stramm, Alfred Lichtenstein) und teils sozialkritisch-pazifistische Töne annahm (siehe Aktivismus). Das expressionistische Drama hatte in Georg Kaiser (Die Bürger von Calais, 1914; Gas, 1918), Ernst Toller (Masse Mensch, 1921), Ernst Barlach und Walter Hasenclever seine wichtigsten Repräsentanten. Eine Reaktion auf den Krieg stellte die von dem 1916 gegründeten Zürcher Cabaret Voltaire ausgehende Bewegung des Dadaismus dar, der mit radikaler Sinnentleerung und Sprachzertrümmerung das bürgerliche Kunst- und Kulturverständnis attackierte. Die skurrilen Werke von Hugo Ball, Richard Huelsenbeck, Johannes Baader, Walter Serner, Tristan Tzara, Raoul Hausmann und Kurt Schwitters waren von weit reichender Wirkung auf Kunst und Literatur des folgenden Jahrzehnts und beeinflussten vor allem den Surrealismus. Abseits der verschiedenen Hauptströmungen entstand das bizarre erzählerische Werk Franz Kafkas (Das Urteil, 1913; Der Prozeß, 1925; Das Schloß, 1926), das in seiner Bedeutung für die moderne Dichtung erst nach 1945 erkannt wurde. Hermann Broch (Die Schlafwandler, 1931/1932) und Robert Musil (Der Mann ohne Eigenschaften, 1930-1943) betrieben auf je eigene Art die Essayisierung des Romans.

Im Verlauf der zwanziger Jahre löste die Neue Sachlichkeit mit einem nüchternen Reportagestil und der Hinwendung zu aktuellen, biographischen und historischen Themen den Expressionismus ab, so bei Lion Feuchtwanger, Franz Werfel, Max Brod, Hermann Kesten, Hans Fallada und Erich Kästner. Vorbild journalistischen Schreibens war u. a. der „rasende Reporter” Egon Erwin Kisch. Angeregt durch die Montagetechnik des Films und englische und amerikanische Vorbilder (Joyce, Dos Passos), verfasste Alfred Döblin seinen richtungweisenden experimentellen Großstadtroman Berlin Alexanderplatz (1929), während Hermann Hesse (Siddharta, 1922; Steppenwolf, 1927), Rudolf Borchardt oder Hans Carossa das konservativ-christliche Bildungserbe pflegten. Thomas Mann, der 1929 mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet wurde, legte mit Der Zauberberg (1924) seinen zweiten großen Roman vor, sein Bruder Heinrich Mann persiflierte in Der Untertan und Professor Unrat deutsche Autoritätshörigkeit und Spießermoral. Der nach Thomas Mann bedeutendste Erzähler der Epoche, der Österreicher Joseph Roth, schilderte in Hiob (1930) die untergehende Welt der osteuropäischen Juden, sein Roman Radetzkymarsch (1932) war ein wehmütiger Abgesang auf die untergegangene k. u. k. Monarchie. Die Neue Sachlichkeit brachte auch neue, zum Teil für das Kabarett entwickelte Formen ironisch-satirischer Lyrik hervor (Kästner, Ringelnatz). Exemplarisch für diese Richtung war auch die Hauspostille (1927) Bertolt Brechts, der mit dem Konzept des didaktisch motivierten epischen Theaters maßgeblichen Einfluss auf die Entwicklung des Dramas ausübte (Die heilige Johanna der Schlachthöfe, 1932) und, zusammen mit Kurt Weill, eine neue Form des Musiktheaters initiierte (Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny und Die Dreigroschenoper, beide 1929).

11   NATIONALSOZIALISMUS UND EXILLITERATUR

Die Machtübernahme der Nationalsozialisten im Januar 1933 bedeutete eine tiefe Zäsur im literarischen und kulturellen Leben Deutschlands. Die von den neuen Machthabern eingerichtete Reichskulturkammer und die Reichsschrifttumskammer wachten über jede Form von Veröffentlichung. Einige der systemkonformen Schriftsteller, wie Hanns Johst, Gustav Frenssen, Emil Georg Kolbenheyer, mehr aber noch Baldur von Schirach und Richard Euringer, waren bereits in der Weimarer Republik mit völkisch-irrationalistischen und zum Teil auch antisemitischen Veröffentlichungen hervorgetreten. Andere, wie Gottfried Benn und Ernst Jünger, ließen vorübergehend eine Affinität zur nationalsozialistischen Ideologie erkennen. Denjenigen, die sich der Gleichschaltung nicht beugten, blieb nur der Weg in die so genannte innere Emigration, wie Stefan Andres, Reinhold Schneider, Werner Bergengruen oder Gertrud von Le Fort. Andere kehrten dem nationalsozialistischen Staat freiwillig den Rücken oder waren aufgrund ihrer jüdischen Abstammung oder politischen Couleur zur Emigration gezwungen, darunter die Brüder Mann, Döblin und Werfel. In Frankreich, der Schweiz und später in den USA formierte sich eine mitunter in programmatischen Zeitschriften (Maß und Wert, Die Sammlung u. a.) zusammenwirkende Exilliteratur, die sich vor allem im 2. Weltkrieg den aktiven propagandistischen Kampf gegen das Hitler-Regime zur Aufgabe machte, wie Thomas Mann mit seinen Sendungen über BBC (Deutsche Hörer). Mehrere Schriftsteller begingen Selbstmord im Exil (Toller, Hasenclever, Walter Benjamin, Stefan Zweig) oder wurden von den Nationalsozialisten ermordet, darunter Erich Mühsam, Carl von Ossietzky, Theodor Lessing und Gertrud Kolmar. Der politisch indifferente Teil der jungen Generation in Deutschland– Hans Erich Nossack, Günter Eich, Wolfgang Koeppen, Georg Britting, Marieluise Fleisser – besann sich auf das kulturelle europäische Erbe und setzte diese Bemühungen auch nach Kriegsende, teilweise unter dem Einfluss des französischen Existentialismus, fort.

12   DEUTSCHE LITERATUR NACH 1945

Auf dem ersten, noch gesamtdeutschen Schriftstellerkongress in Berlin 1947 wandte sich der spätere Kulturminister der DDR, Johannes R. Becher, gegen die Vorstellung zweier deutscher Literaturen: Es sei, so Becher, „verwerflich, Osten und Westen einander gegenüberzustellen”. Im Rahmen einer Zweistaatentheorie setzte sich der Gedanke in Ostdeutschland erst in den fünfziger Jahren durch und wurde von Walter Ulbricht auf dem 4. Schriftstellerkongress der DDR 1956 in diesem Sinne formuliert. Auch in der Literaturwissenschaft ist die Einteilung in eine ostdeutsche und eine westdeutsche Literatur (die zunächst die der französischen, der englischen und der amerikanischen Besatzungszonen war) im Zeitraum zwischen 1945 und der Wiedervereinigung inzwischen allgemein akzeptiert. Es erscheint also als legitim, im Folgenden von einer Literatur der DDR und von einer Literatur der Bundesrepublik zu sprechen.

1   Literatur der DDR

Von Beginn an, verstärkt aber nach dem dritten Parteikongress der SED 1950, stand die Literaturproduktion der DDR unter der Doktrin des sozialistischen Realismus. Dies galt vor allem für die „Publikumsgattung” des Dramas, bei der Volkstümlichkeit und positive Charaktere im Mittelpunkt standen. Bei dieser Neuorientierung der ostdeutschen Literatur spielte die Exilproduktion eine große Rolle, die, wie etwa die Dramen Bertolt Brechts, neu aufgelegt, oder, wie die Romane von Arnold Zweig (Das Beil von Wandsbek, 1943) und Anna Seghers (Transit, 1944), erstmals ins Deutsche übersetzt wurden. (Anders als im Fall der späteren Bundesrepublik kehrten viele Exilautoren, darunter Brecht, Seghers und Zweig, aber auch Johannes R. Becher, Erich Weinert, Ernst Bloch, Rudolf Leonhard und der Verleger Wieland Herzfelde, der Bruder John Heartfields, in die damalige SBZ zurück). Im Zentrum der Darstellung stand dabei zunächst eine Aufarbeitung der Epoche im Roman, wie in Theodor Pliviers Stalingrad (1945) bzw. in Günther Weisenborns Memorial (1947), oder aber die idyllisch-verklärende Darstellung der Arbeitswelt, so bei Otto Gotsche, Hans Marchwitza und Eduard Claudius. Erst der auf zwei Konferenzen (1959 bzw. 1964) formulierte Bitterfelder Weg versuchte, dem Schriftsteller durch Einblick in die Industriebetriebe ein realistisches Schreiben abzuringen und die Kluft zwischen Hand- und Kopfarbeit zu überwinden; gleichzeitig wollte man Arbeiter zum Schreiben animieren („Laienschaffen”). Vorbereitet wurde diese Entwicklung durch Betriebs- und Produktionsromane wie Maria Langners Stahl (1952), Karl Mundstocks Helle Nächte (1952) und Hans Marchwitzas Roheisen (1955). Auf der Bühne kam die neue sozialistische Gesellschaftsordnung etwa in den Stücken von Helmut Baierl (Die Feststellung, 1958), Peter Hacks, Hartmut Lange und Heiner Müller (Die Bauern, 1964) zum Tragen. In dieser Tradition bewegen sich auch die Romane von Karl-Hans Jacob, Brigitte Reimann und Erik Neutschs Spur der Steine (1964) über die Arbeit auf einer Großbaustelle. Christa Wolfs Roman Der geteilte Himmel (1963) warf erstmals die Ost-West-Problematik auf. Verhaltene Kritik am offiziellen Literaturprogramm übte bereits Hermann Kant mit Die Aula (1965). Vom Konflikt zwischen Individuum und neuer Gesellschaftsform handeln dann dezidiert die Werke von Volker Braun, Franz Fühmann und Günter de Bruyn.

Des Weiteren unternahmen in den sechziger Jahren einige DDR-Schriftsteller den Versuch, den bloßen Bereich der objektiven Wirklichkeitsbespiegelung zugunsten einer phantastisch-gesellschaftskritischen Darstellungsweise zu durchbrechen (Günter Kunert, Irmtraut Morgner) und dem Ich im Roman wieder einen neuen Stellenwert zuzuweisen. Mit dem Leben im Konzentrationslager setzte sich Jurek Becker in Jakob der Lügner (1968) auseinander; später kam eine kritische Auseinandersetzung mit dem ostdeutschen Alltag als Thema hinzu. Überhaupt ist eine Tendenz bemerkbar, sich von historischen Problemen ab-, und der eigenen Lebenswelt zuzuwenden. Eine bemerkenswerte Ausnahme in der Literaturproduktion der sechziger Jahre stellte der tragisch-pessimistische Bauernroman Ole Bienkopp (1963) von Erwin Strittmatter dar, dessen leidenschaftlich-kreativer Held aus den Zwängen des Systems auszubrechen sucht. Die bedeutendste Prosa der Zeit jedoch schrieb Johannes Bobrowski, der mit den Erzählbänden Boehlendorff und Mäusefest (1965) und Der Mahner (posthum 1967) sowie den Romanen Levins Mühle (1964) und Litauische Claviere (posthum 1966) brillierte. Ende der sechziger Jahre löste sich Christa Wolf mit Nachdenken über Christa T. (1968) von den strengen Vorgaben eines realistisch-stringenten Erzählens, um „neue Sinne für den Sinn einer neuen Sache” zu entwickeln.

Die Neue Subjektivität der siebziger Jahre spiegelt sich im Werk von Sarah Kirsch, eine Traditionslinie, die sich bis in die frühen achtziger Jahre bei Egon Günther (Reitschule, 1981) und in den autobiographisch-erinnernden Romanen von Helga Schütz (Jette in Dresden, 1977) fortsetzt. Zu den bedeutenden Frauenromanen jener Jahre gehören Brigitte Reimanns Franziska Linkerhand (1974), Irmtraud Morgners Trobadora Beatriz (1974), Helga Schuberts Lauter Leben (1975) und Christine Wolters Wie ich meine Unschuld verlor (1976). Um 1975 begann die ostdeutsche Literatur, die Möglichkeiten des einzelnen im gesamtgesellschaftlichen Kontext kritisch zu hinterfragen. Ein Beispiel sind die als Parodie auf Goethes Werther verfassten Neuen Leiden des jungen W. (1973) von Ulrich Plenzdorf, der auch in seinen Dramen nach der Zukunft der Jugend im Sozialismus fragte; ähnliches kann für Reiner Kunzes Miniaturprosa Die wunderbaren Jahre gelten, die 1976 in der Bundesrepublik erschienen. Im Kontext einer Aufarbeitung des Vergangenen entstanden Etappe Rom (1975) von Erich Loest sowie Christa Wolfs Kindheitsmuster (1976). Im Genre des historisch-mythischen Romans versuchte sich Stefan Heym mit seinen Gesellschaftsparabeln Der König David Bericht (1972) und Ahasver (1981). Dem Schelmenroman in der Tradition Grimmelshausens verschrieb sich Benito Wogatzki mit Das Narrenfell (1982).

Im Bereich der Dramatik wagten Stefan Schütz und Christoph Hein den Aufstand gegen die Kleinbürgerlichkeit des real existierenden Sozialismus. Peter Hacks suchte mit seiner humanen, „postrevolutionären Dramaturgie” neue Theatermöglichkeiten jenseits von Brecht. Die lyrische Produktion der DDR ist von der politisch aufgeladenen Naturpoesie des Herausgebers der bedeutenden Kulturzeitschrift Sinn und Form Peter Huchel bestimmt, so wie sich die Dichter Ostdeutschlands zumeist ohnehin am Formal-Traditionellen (Klopstock und Hölderlin, etwa bei Stephan Hermlin) orientierten. In Johannes Bobrowskis Gedichten wird die Schuldfrage Deutschlands in einer von Geschichtssymbolik bestimmten dichterischen Landschaft aufgeworfen. Agitatorische Lyrik in der Nachfolge Majakowskijs schrieben Erich Weinert, Louis Fürnberg, Paul Wiens und Max Zimmering. Betont humoristisch und dezidiert sprachskeptisch gibt sich die Gesellschaftskritik von Karl Mickel (Eisenzeit, 1975). Wolf Biermanns zwischen Heinrich Heine und Bertolt Brechts angesiedelte satirische Gedichte (Mit Marx- und Engelszungen, 1968) brachten den Dichter bei den DDR-Kulturfunktionären in Verruf: 1976 wurde Biermann ausgewiesen, was die Literaturlandschaft des Staates nachhaltig veränderte: Ihm folgten, mehr oder weniger auf staatlichen Druck, Reiner Kunze, Thomas Brasch, Rolf Schneider, Erich Loest, Sarah Kirsch und Hans-Joachim Schädlich. (Vor 1961 hatten bereits Horst Bienek, Walter Kempowski, Gerhard Zwerenz, Uwe Johnson, Heiner Kipphardt, vor 1975 u. a. Hans Mayer und Manfred Bieler das Land verlassen.) Im Werk von Uwe Kolbe, Heinz Czechowski und Jürgen Reinhart Rennert wird Natur- in Industrielyrik transformiert („Müllhaldenpoesie”). Zur Dichtergeneration der siebziger und achtziger Jahre gehörten außerdem Richard Pietraß und Bert Papenfuß-Gorek (Soja, 1991).

2   Literatur der Bundesrepublik

Am Anfang der westdeutschen Literaturentwicklung stand der Versuch der zumeist aus dem Krieg heimgekehrten Autoren, sich von einer propagandistisch im Nationalsozialismus mißbrauchten Sprache abzusetzen und demgegenüber einen neuen, unpathetisch-klaren Stil zu finden. Günter Eichs Gedicht Inventur mit seinem präzis-kargen Duktus („Dies ist meine Mütze / dies ist mein Mantel, / hier mein Rasierzeug / im Beutel aus Leinen”) markiert bereits im Titel die Tendenz jener schlagwortartig als „Stunde Null” oder „Kahlschlag” (Wolfgang Weyrauch) bezeichneten Phase, die nicht nur Wolfgang Borchert hoffnungsvoll als „Ankunft zu neuen Ufern” begriff (siehe Trümmerliteratur). Dabei orientierte sich die Generation junger Schriftsteller an der realistisch geprägten deutschen Produktion vor 1933 (Arnold Zweig, Lion Feuchtwanger), vor allem aber an den ausländischen Literaturen, wobei Autoren wie Heinrich Böll, Siegfried Lenz, Alfred Andersch und Wolfdietrich Schnurre bei ihren Kurzgeschichten wichtige Anregungen von der amerikanischen Short Story (namentlich der Ernest Hemingways) erhielten. Nur wenige Exilautoren, darunter Alfred Döblin, kehrten nach Deutschland zurück, ohne allerdings groß beachtet zu werden: Thomas Mann etwa kam einer entsprechenden Aufforderung Walter von Molos („Kehren Sie zurück zu Geist und Tat!”) mit der Begründung nicht nach, sich von seiner Heimat zu sehr entfremdet zu haben. Wichtigstes Organ dieser ersten Nachkriegsjahre war die demokratisch ausgerichtete, jedoch von den Amerikanern kontrollierte Literaturzeitschrift Der Ruf, die zunächst im Kriegsgefangenenlager erschien und später von Alfred Andersch und Hans Werner Richter weiter herausgegeben wurde. In den diversen Kulturzeitschriften der jeweiligen Besatzungszonen (Die Wandlung, 1945-1949, Lancelot, 1946-1951, Aufbau, 1945-1958) fand sich ein Forum, um relevante, auch gesellschaftspolitische Themen zu diskutieren.

Inhaltlich setzte sich die deutsche Nachkriegsliteratur der vierziger Jahre verstärkt mit der Erfahrung des 2. Weltkrieges und der Heimkehrerproblematik auseinander, teils unter existentialistischer Perspektive. Deutlich wird dies etwa in Günther Weisenborns Drama Die Illegalen (1946), vor allem aber in Wolfgang Borcherts Draußen vor der Tür (1946). Dabei spielten u. a. die Schriften von Jean-Paul Sartre und von Albert Camus eine Rolle: Wichtig wurde aber auch die verspätete Rezeption der Schriften Franz Kafkas. Nelly Sachs und Paul Celan (Todesfuge) thematisierten verstärkt das Grauen des Holocaust, und stellten dem vielzitierten Diktum Theodor W. Adornos, dass nach Ausschwitz kein Gedicht mehr geschrieben werden könne, ihre teils kryptische, immer aber eindringlich-metaphorische Lyrik entgegen. Herausragende Romane der vierziger Jahre waren Ernst Wiecherts KZ-Bericht Der Totenwald (1945), Elisabeth Langgässers Das unauslöschliche Siegel (1946), Hermann Kasacks Die Stadt hinter dem Strom (1947) und Arno Schmidts Leviathan (1949), eines der wenigen Werke dieser Zeit, das nicht an den Realismus des 19. Jahrhunderts anknüpfte, sondern sich den Sprachexperimenten der Moderne (vor allem der textlichen Polyphonie von Joyce) öffnete. Im Bereich der Dramatik wirkte lange der Einfluss Bertolt Brechts. Zunehmende Bedeutung erlangte auch das Hörspiel: Hier traten z. B. Alfred Andersch, Ernst Schnabel und Axel Eggebrecht, später dann auch Günter Eich, Dieter Wellershoff und Ror Wolf mit einer dem neuen Medium angemessenen Formensprache hervor. Als zentrales Forum zur poetologischen Diskussion und zur Vorstellung neuer Texte etablierte sich die Gruppe 47, die aus dem Kreis um den Ruf hervorging und bis 1967 bestand. (Ein zentrales Mitglied der letzten Jahre war Marcel Reich-Ranicki.)

In den fünfziger Jahren öffnete sich die westdeutsche Literatur den Gegebenheiten der gerade gegründeten Bundesrepublik. Während Heinrich Böll weiterhin die Kriegs- und Nachkriegszeit einer „Generation ohne Väter” thematisierte (Wo warst Du, Adam?, 1951, Haus ohne Hüter, 1954), übte Gerd Gaiser mit seinem Roman Schlussball (1951) bereits dezidiert Kritik an der Aufschwungseuphorie des Wirtschaftswunders. Vor allem aber Wolfgang Koeppen verband in seiner Romantrilogie Tauben im Gras (1951), Das Treibhaus (1953) und Tod in Rom (1954) sozialpolitisches Engagement mit einem Aufbruch der Muster traditionell-geradlinigen Erzählens. Auch Martin Walser stellte mit Ehen in Philippsburg (1957) und Das Einhorn (1966) die bundesrepublikanische Gegenwart ins Zentrum und prägte nicht zuletzt mit seinen grandios beschriebenen Partyszenen den deutschen Gesellschaftsroman der Nachkriegszeit. Den Versuch, dem komplexen DDR-Alltag und der Ich-Struktur seines Protagonisten mit einer offen-polyphonen Dialogmontage auf die Spur zu kommen, unternahm Uwe Johnson 1959 mit seinem in Westdeutschland erschienenen Roman Mutmaßungen über Jakob, dessen Komposition im Erzählstil William Faulkners ein Vorbild fand. Die mit nahezu barocker Sprachgewalt erzählte– und wegen ihrer freizügigen Darstellungen als „pornographisch” gebrandmarkte – Blechtrommel (1959) von Günter Grass adaptierte Elemente des Picaro- bzw. Schelmenromans, zeichnete ein opulent-groteskes Panorama der Kriegs- und Nachkriegsjahre und verhalf der deutschen Literatur, trotz eines qualitativen Abfalls im zweiten Teil des Buches, auch international zu Renommee. (Später wurde die Blechtrommel zusammen mit Katz und Maus von 1961 und Hundejahre von 1963 zur so genannten Danziger Trilogie zusammengefasst, für die Grass 1999 den Literatur-Nobelpreis erhielt.) Mit seinen um die Identitätsproblematik kreisenden Romanen („Ich bin nicht Stiller”) stieß der Schweizer Autor Max Frisch in der Bundesrepublik auf große Resonanz (Stiller, 1954, Homo Faber, 1957); gleichzeitig etablierte sich sein Landsmann Friedrich Dürrenmatt als einer der bedeutendsten deutschsprachigen Dramatiker der fünfziger Jahre (Der Besuch der alten Dame, 1956).

Eine Ausnahmeerscheinung in der Prosalandschaft der fünfziger Jahre stellt Wolfgang Hildesheimer dar, der neben Beiträgen zum absurden Theater 1952 mit seinen surreal-phantastischen, aber auch satirisch-demaskierenden Lieblosen Legenden brillierte. Auf dem Gebiet der Lyrik ragten die hermetischen Gedichte Ernst Meisters (Unterm schwarzen Schafspelz, 1953) und die Naturpoesie Karl Krolows aus der bisweilen konservativ-affirmativen Lyrik der Wirtschaftswunderzeit heraus. Erst die Konkrete Poesie und die Visuelle Dichtung von Autoren wie Max Bense, Helmut Heißenbüttel, Franz Mon und Eugen Gomringer löste sich nach 1960 von den Traditionen der zwanziger und dreißiger Jahre und versuchte, durch die Betonung der klanglichen bzw. visuellen Aspekte des Sprachmaterials – also mit einem von Gottfried Benns Spätwerk (Statische Gedichte, 1948) gänzlich verschiedenen Formalismus – neue Wege zu beschreiten. In Österreich bemühte sich die Wiener Gruppe um Gerhard Rühm unter ähnlichen Vorzeichen um neue Ansätze.

Mit Ingeborg Bachmann (Die gestundete Zeit, 1953) begann eine Phase der bewusst auf Subjektivität und Innerlichkeit ausgerichteten Lyrikproduktion, die in den sechziger Jahren auch die Arbeiten Rose Ausländers, Hilde Domins bestimmten; hinsichtlich der verinnerlichten Darstellung von Außenwelt in Texten von Jürgen Becker, Ludwig Fels und F. C. Delius reicht diese Entwicklungslinie bis in die siebziger Jahre. Im Umfeld der Studentenbewegung, und als Protestmedium gegen den Vietnamkrieg allerdings gewann das Gedicht an politischer Dimension zurück. Bedingt wurde diese Politisierung u. a. durch eine Diskussion über Machtpolitik bzw. die gesellschaftliche Relevanz des Schreibens: So verkündete das von Hans Magnus Enzensberger herausgegebene Kursbuch 1968 den „Tod der Literatur”. Wichtige Vertreter dieser Richtung waren Rolf Dieter Brinkmann, Peter Rühmkorf, Erich Fried und Yaak Kasunke. Eine ähnliche Tendenz bestimmte auch das Drama, das sich, etwa bei Peter Weiss, Heinar Kipphardt, Tankred Dorst oder Rolf Hochhuth, der sich mit dem heiß diskutierten Stück Der Stellvertreter von 1963 auf die Möglichkeiten des politischen Theaters zu besinnen suchte. Somit entstanden wichtige Zeugnisse des deutschsprachigen Dokumentartheaters. In der Prosa zeigte sich zur Mitte der sechziger Jahre eine Hinwendung zum individuellen Duktus, der dem Bestreben etwa der Gruppe 61 um eine dezidierte Auseinandersetzung mit der Industriewelt entgegenstand. Damit nahm sie Tendenzen der Neuen Subjektivität mit ihrem introspektiven Selbsterfahrungsschreiben vorweg, die etwa in Nicolas Borns Die erdabgewandte Seite der Geschichte (1976) oder in Bernward Vespers Die Reise (1977) zum Tragen kam und, mit Hang zur feministischen Thematik, bei Karin Struck, Christa Reinig, Renate Rasp und Verena Stefan (Häutungen, 1975) ihre Radikalisierung fand. Eine Sonderstellung innerhalb dieser Entwicklung nimmt das Werk Wolf Wondratscheks ein, das in seinem betont subjektiv-anarchischen Underground-Tonfall einen gesellschaftskritischen Impuls beibehält. Eine Neubelebung des Volksstücks strebten seit den sechziger Jahren Martin Sperr (Jagdszenen aus Niederbayern, 1966), Rainer Werner Fassbinder (Katzelmacher, 1969) und Franz Xaver Kroetz (Stallerhof, 1972) mit ihren provozierenden, oftmals anstößig-obszönen Bauerndramen an. Meisterwerke eines präzis beobachtenden Schreibens lieferte Jürgen Becker mit Felder (1964), Ränder (1968) und Umgebungen (1970) ab. Dem so genannten Neuen Realismus verschrieb sich die von Dieter Wellershoff begründete Kölner Schule.

Während Böll seine Gesellschaftskritik in den siebziger Jahren mit einer ironisch übersteigerten Darstellungsgenauigkeit verknüpfte (so in Gruppenbild mit Dame, 1971) und Alexander Kluge in seiner „Beschreibungsliteratur” Dokumentarmaterial in eine distanziert-emotionslose Schreibweise mit einfließen ließ, trat andernorts eine existentielle Fragestellung ins Zentrum, teils mit resignativ-anti-bürgerlichem (Gabriele Wohmann), teils mit deutlich anti-klerikalem, ins Groteske übersteigertem Impuls (Herbert Achternbusch). Nach einer Abrechnung mit den Ereignissen von 1968 (örtlich betäubt, 1969) nutzte Grass die Prosaform in Aus dem Tagebuch einer Schnecke (1972) nicht zuletzt zur Selbsthinterfragung. Mit schwarzem Humor arbeiteten die grotesk-provozierenden Texte Günter Seurens (Das Kannibalenfest, 1968, Der Abdecker, 1970). Uwe Johnson schuf mit seinem vierbändigen Epos Jahrestage (1970-1983) einen Jahrhundertroman, Peter Weiss ließ in seinem Hauptwerk Die Ästhetik des Widerstands (3 Bde., 1975-1981) die Grenzen zwischen politischer Reflexion und Wunschbiographie verschwimmen. Neben der Autobiographie und dem Tagebuch (Ernst Jünger, Manès Sperber) erlebte der historische bzw. biographische Roman, meist mit dem Anspruch einer literarisch-fiktiven Ergänzung der reinen Faktenwelt, eine neue Blüte: Unter anderem Peter Härtling (Hölderlin, 1976), Wolfgang Hildesheimer (Mozart, 1977) und Dieter Kühn (Ich, Wolkenstein, 1977) taten sich dabei hervor. Beim Drama beschritt einmal mehr Peter Weiss mit den vielschichtigen Spiegelungen von Die Verfolgung und Ermordung Jean Paul Marats (1964) neue Wege. Des Weiteren entwarf Heiner Müller seine in Brecht’scher und Artaud‘scher Tradition stehenden grausam-burlesken Zeitpanoramen (Germania Tod in Berlin, 1977). Herausragende deutschsprachige Autoren der siebziger Jahre waren zudem die Österreicher Peter Handke und Thomas Bernhard, der mit Die Ursache (1975) und Der Keller (1976) auch autobiographische Werke vorlegte. 1979 schuf Michael Ende mit Die unendliche Geschichte einen Klassiker der deutschen Kinder- und Jugendliteratur.

Als Nachklang auf Walter Kempowskis 1971 mit Tadellöser und Wolf begonnene Familiensaga und Karin Strucks Roman Die Mutter (1975) stand die deutsche Literatur der frühen achtziger Jahre unter dem Eindruck einer Aufarbeitung von Familiengeschichte: Ein noch früheres Zeugnis dieser Tendenz war Weiss’ Abschied von den Eltern (1961) gewesen. Beispiele hierfür sind Ruth Rehmanns Der Mann auf der Kanzel (1979), Peter Härtlings Nachgetragene Liebe (1980), Christoph Meckels Suchbild (1980) und Katja Behrens’ Die dreizehnte Fee (1983). Wie in der Novelle Ein fliehendes Pferd (1978), so setzte Martin Walser auch in Brandung (1985) weiterhin auf eine Darstellung der gutbürgerlichen Midlife-Crisis. Den Versuch einer Wiederbelebung des Prosagedichts unternahm mit Paare, Passanten (1981) der auf Theodor W. Adornos Minima Moralia anspielende Botho Strauß, der mit Kalldewey, Farce (1981) und Der Park (1983) zu den herausragenden Dramatikern der achtziger Jahre avancierte und mit Der junge Mann (1984) den bundesdeutschen Bildungsroman in der Tradition Goethes zu begründen suchte. Ende der achtziger Jahre sorgte Christoph Ransmayrs Endzeitroman Die letzte Welt (1988) für Aufsehen, ein gelungenes Dokument der literarischen Postmoderne. Des Weiteren traten Robert Gernhard, Eckhard Henscheid und F. W. Bernstein mit ihrer humoristischen Prosa hervor, die gegen das neue Pathos der deutschsprachigen Literatur um Botho Strauß (Das Gleichgewicht, 1993, Ithaka, 1996) und Peter Handke (Noch einmal Thukydides, 1990, Versuch über die Jukebox, 1990, Versuch über den geglückten Tag, 1991) rebellierte. Als Lyrikerin der späten achtziger Jahre machte sich Ulla Hahn einen Namen, bevor sie Mitte der neunziger von Durs Grünbein (Schädelbasislektion, 1991) als populärstem Lyriker abgelöst wurde. 1990 erschien der provozierende, im Feuilleton stark rezipierte Erzählband Wenn ich einmal reich und tot bin des Redakteurs des Zeitgeist-Magazins Tempo, Maxim Biller, über seine Erfahrungen als Jude in Deutschland. Der Überraschungserfolg des Jahres war der exotistische Roman Infanta von Bodo Kirchhoff. Mit der Geschichte der Dunkelheit beendete der Österreicher Gerhard Roth 1991 sein auch in der Bundesrepublik vielbeachtetes Romanprojekt der Archive des Schweigens.

Anfang der neunziger Jahre setzte sich auch die deutsche Literatur mit der Wiedervereinigung auseinander, eingeleitet durch Günter Grass’ Ein Schnäppchen namens DDR (1990). Zeugnis für diese Tendenz zur Schilderung der frühesten Vergangenheit auch innerhalb der Generation jüngster Autoren waren die Romane Nox (1995) von Thomas Hettche und Helden wie wir (1995) von Thomas Brussig. Darüber hinaus setzten sich Schriftsteller wie Christa Wolf (Was bleibt, 1990) und Erich Loest (Die Stasi war mein Eckermann, 1991) mehr oder weniger kritisch mit ihrer DDR-Vergangenheit auseinander. Andere, darunter Sascha Anderson, wurden mit ihr konfrontiert. 1993 erschien unter dem Titel Echolot. Ein kollektives Tagebuch der imposante stenographische Kriegsbericht Walter Kempowskis, der als innovatives Verfahren den Autor lediglich als anonymen Monteur auftreten und somit hinter die vielen Dokumente der Zeitzeugen (Tagebucheinträge, Briefe, Autobiographien etc.) zurücktreten ließ. Im gleichen Jahr sorgte Botho Strauß’ Essay Anschwellender Bocksgesang, der ein wertkonservatives Bewusstsein einklagte, für Diskussionsstoff. Mit Ein weites Feld (1995) erwies Günter Grass in der Figur Fontys seinem Vorbild Theodor Fontane seine Referenz und nahm nochmals zur deutsch-deutschen Frage Stellung. Als Kolumnist der späten achtziger und neunziger Jahre etablierte sich endgültig Max Goldt und trat damit in die Fußstapfen Harry Rowohlts. Weitere wichtige deutsche Autoren dieser Jahre waren Gerold Späth, Jürg Laederach, Gisbert Haefs, Brigitte Kronauer, Patrik Süskind, Ingrid Noll, Irene Dische, Wolfgang Hilbig, Johanna Walser, Uwe Timm, Herta Müller, Peter Schneider, Katja Behrens, Sten Nadolny, Michael Schulte, Gerhard Köpf, Thorsten Becker, Wilhelm Genazino, Norbert Gstrein, Michael Kleeberg, Doris Dörrie, Johano Strasser, Matthias Zschokke, Christoph Meckel, Bodo Moorshäuser, Herbert Rosendorfer, Herbert Genzmer, Wolfgang Hegewald, Klaus Modick, Hanns-Josef Ortheil, Jochen Schimmang, Marcel Beyer, Ulla Berkéwicz, Ulrich Pletzer, Hans Pleschinski, Lutz Rathenow, Monika Maron, Burkhard Spinnen, Bernhard Schlink, Ingo Schulze, Robert Menasse, Tilman Spengler, Dietrich Schwanitz und Jürg Federspiel.